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Hallo. Es war lange sehr still hier, ich weiß.

Erst mal war meine Master-Arbeit wichtiger. Und dann kamen die Nachrichten. Und ich hatte immer das Gefühl, ich kann hier nicht einfach weiter über das schöne Leben bloggen, wenn direkt nebenan die Flüchtlinge ankommen.

Ich wollte immer etwas sagen und diesen Artikel hier habe ich wohl etwa zehn mal angefangen – und wieder gelöscht. Aber mir war auch nicht nach schweigen.
Also wird das jetzt hier das große Auskotzen (tschuldigung) meinerseits. Ohne großes Ziel, denn wohin ich mit diesem Artikel will, das weiß ich nicht. Weil ich das alles nicht verstehe. Und hier mag vielleicht manches politisch unkorrekt und/oder sarkastisch und vielleicht sogar inhaltlich unkorrekt formuliert sein, aber sei’s drum. So ist eben gerade meine Wahrnehmung. Ihr dürft mich dann in Kommentaren gerne darauf hinweisen. Und ich diskutieren in den Kommentaren gerne mit euch. Wenn ihr nett bleibt. Wenn ihr aber meint, hier Dinge schreiben zu müssen, die mir nicht gefallen, dann lösche ich ich die vielleicht auch.

Ich könnte jetzt schreiben von den Vertriebenen der Weltkriege, die alle ein neues zu Hause gefunden haben. Von den Gastarbeitern, die nie wieder gingen und auch ein zu Hause gefunden haben und zu unserem Land gehören. Oder von den Republikflüchtlingen der DDR und all jenen, die erst nach der Maueröffnung kamen (ich empfehle hier diesen Artikel! Sehr!). Oder von den Spätaussiedlern. Die sich selbst vielleicht nicht als Ausländer verstanden haben, aber für die Generation meiner Eltern genau das erst einmal waren. (Das ist jetzt eine Verallgemeinerung aus einem mir bekannten Gespräch. Die vielleicht nicht der Realität entspricht.)
Und ich verstehe am Ende immer noch nicht, wie Menschen all dies vergessen können und meinen, in unserem Land wäre kein Platz für Flüchtlinge oder überhaupt auch nur Ausländer. Wenn wir doch hundert Jahre lang Platz für sie hatten. Und ja, Gastarbeiter waren keine Flüchtlinge, aber das was mir in den sozialen Medien an rechtem Gedankengut manchmal entgegenschwappt, das richtet sich nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern gegen alle “Nicht-Deutschen” im Allgemeinen.
Und wieder sitze ich nur völlig verständnislos vor dem Bildschirm.

Ich verstehe nicht, warum auf mal “deutsch” wieder etwas tolles sein soll. Aber ich verstehe das Konzept des Patriotismus auch nicht. Ich bin zwar in Deutschland geboren, meine Eltern auch, aber meine Oma hat die deutsche Staatsangehörigkeit nur aus Faulheit und ich sehe zwar auch sofort, wenn die Grenze zu den Niederlanden überfahren wurde (weil es da eben anders aussieht), aber dieses andere dort war für mich niemals fremd in den letzten gut 28 Jahren. Es ist ebenso genauso anders wie wenn ich nach Süddeutschland fahren würde.
Ich habe mich immer eher als Europäerin gefühlt, wenn man sich denn auf irgendeine Art Heimat besinnen sollte. Und ich mag Europa. Vor allem dieses Europa der Jahre, in denen es keine Grenzen mehr gab. Weil wir uns doch dachten, dass wir hier gemeinsam auf diesem Kontinent leben.

Ich bin aufgewachsen in einem Europa, in dem ich mich ziemlich frei bewegen konnte. Nur in meinem Kinderpass befinden sich noch ein paar Stempel, seit ich einen Personalausweis habe, habe ich nie wieder etwas anderes vorzeigen müssen zum reisen. Und ich mag das. Ich konnte problemlos ein halbes Jahr in Schweden leben und einige Woche auf Island. Ich konnte da hinfliegen. Einfach so. Und dann sitze ich wieder vor der tagesschau, wieder mit Tränen in den Augen, weil manche Länder nun meinen, sie müssten ihre Grenzen schließen. Und ich verstehe es schon wieder nicht.  (Diesen Artikel hier mag ich auch empfehlen.)
Und ich verstehe vor allem nicht, warum Länder, die lange “hinter” dem eisernen Vorhang waren, jetzt selbst einen solchen aufbauen. Es ist keine dreißig Jahre her, dass sie den einen nicht mehr wollten und schon bauen sie einen anderen selbst. Was soll denn sowas?

Apropos fliegen. Ich bin damals nach Schweden geflogen, natürlich. Aber warum tum Flüchtlinge das nicht? Tja. Deswegen:

Die EU lagert die Entscheidung über den Flüchtlingsstatus von Fluggästen an die Fluggesellschaften aus. Und wenn die sich (aus Sicht der EU) falsch entscheiden sollten, bekommen sie Sanktionen aufgebrummt. Kein Wunder, dass die Gesellschaften lieber auf Nummer sicher gehen und niemanden ohne Visum hereinlassen.

Zitat aus dem Vice-Artikel zum Video, ebenfalls empfehlenswert.

Ich bin nicht nur in einem offenen und freien Europa aufgewachsen. (Also, in der Praxis jedenfalls. In der Theorie stand die Mauer auch zu meinen Lebzeiten noch.) Ich bin vor allem auch aufgewachsen in der Nähe eines Grenzdurchgangslager (zu meiner Kindheit hieß das wirklich so und ich kann mir den neuen, politisch korrekten, Namen halt einfach nicht merken.). Und in einer Region, in der viele Spätaussiedler zuzogen. Die lebten zum Großteil alle in einer Siedlung, bauten dort ihre Häuser und hinter meinem Elternhaus bauten sie später eine freikirchliche Gemeinde. Letztere haben einen anderen Status als andere Immigranten, waren aber, wie ich oben schon sagte, auch erst einmal Ausländer. Für die Generation meiner Eltern jedenfalls. Für mich waren sie einfach meine Mitschüler. Die, die meist so viele Geschwister hatten und eine zweite Sprache konnten (letzteres fand ich ja immer unfair). Für die Generation meiner (Groß-)Eltern hingegen war es die Kinder der Gastarbeiter, mit denen sie aufwuchs. Das waren die Kinder, die eben einfach nur Kinder waren.

Ich verstehe auch nicht, wie manche Länder jetzt meinen, zu helfen, in dem sie vielleicht 1000 oder 2000 Flüchtlinge aufnehmen. Meine Fresse, da kommen HUNDERTTAUSENDE. Oder Länder, die meinen, sie könnten nur Flüchtlinge einer bestimmten Religion aufnehmen, weil andere sich dort nicht wohl fühlen würden. ICH GLAUBE ES HACKT! Dann reißt euch doch mal am Riemen, ändert euch selbst und seht zu, dass ihr es hinbekommt, dass sie sich dort wohlfühlen.
Stellt euch doch bitte endlich der Realität. Und stellt euch auch der Realität der Fotos. Ich bin da ganz bei diesem kwerfeldein-Artikel und dem darin zitierten Dave Pell:

…if your kid has to take a flimsy boat across dangerous seas to escape a war zone, then my kid can definitely handle looking at the photos.

Und am Ende verstehe ich vor allem nicht, wie die Menschen Begriffe und Werte wie Humanität oder Solidarität vergessen können. Wie Menschen meinen können, es denen, die es schon schwer haben & die zu viel erlebt haben, es denen noch schwerer machen zu müssen!

you have to understand,
that no one puts their children in a boat
unless the water is safer than the land

“Home” by Warsam Shire. Großartigstes Gedicht. Lesen!

Und ja, manchmal habe ich Angst. Aber sicher nicht vor den Flüchtlingen. Sondern davor, dass dieses Europa, das ich so mochte, weiter auseinanderdriftet. Dass Grenzen tatsächlich dauerhaft wieder zugemacht werden. Dass noch mehr Zäune und Mauern wieder aufgebaut werden. Und ein wenig (und an manchen Tagen auch mehr) davor, wie diese Generation(en) der Flüchtlinge, die jetzt gerade ankommen, zur Ruhe kommen sollen. Die Generation meiner Urgroßeltern, die war so eine Kriegsgeneration. Die eigentlich ihr Leben lang traumatisiert war. Und diese Traumata weiter gab. Und ich habe manchmal Angst davor, dass wir niemals genügend Psychologen aufbringen können, all den traumatisierten Menschen, die nun zu uns kommen, helfen zu können.

Und, ganz ehrlich, ich habe Angst davor, dass ich heute Abend wieder mit Tränen in den Augen vor der tagesschau sitze, weil irgendein Idiot wieder irgendwas idiotisches getan habe, das ich schon wieder nicht verstehe. Dass wieder irgendeine Grenze zu ist. Das wieder etwas brennt. (Man könnte meinen, die einzige Lehre aus Lichtenhagen wäre gewesen, dass es humaner ist, die Häuser anzuzünden, wenn noch keine Menschen drin sind.) Dass die Menschen ihre Humanität wieder zu Hause gelassen haben.

Oh, eins noch!
Wir machen jetzt mehr Länder zu “sicheren Ländern”, damit die Menschen von dort nicht mehr kommen bzw. sofort wieder weggeschickt werden können? Tolle Idee. Erst jammern wir über unbesetzte Lehrstellen und Fachkräftemangel, und wenn dann Menschen kommen, die hier arbeiten wollen, dann dürfen sie nicht bleiben? Großes Kino.
Ja, vielleicht ist da der eine oder andere dabei, der sich hier was erschleichen will. Aber für jeden Kriminellen, der in unserem Land vor Gericht steht, gilt die Unschuldsvermutung, bis etwas anderes bewiesen wurde. Aber für Ausländer nicht? Wieder so etwas, was ich nicht verstehe. Genauso wenig, wie dass wir deutschen Wirtschaftsflüchtlingen eine eigene TV-Show widmen. Weil das ja etwas anderes ist?

Danke. Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt, diese Auskotzerei zu lesen. Vielleicht gibt’s dann demnächst mal wieder reguläre Beiträge hier, jetzt, wo ich das los bin.

Letzter Hinweis für die unter euch, die ebenfalls bloggen:
www.blogger-fuer-fluechtlinge.de


Hello! Long time no see!
At first there was my master thesis which needed to be done and then I really didn’t felt like posting about the good life. Because every evening I sat teary-eyed in front of the news. Seeing news about the refugee crisis. 
And there are so many things I don’t understand in this whole crisis… How people can think, that there’s no place for refugees (we took refugees and other immigrants for the last 100 years…), or that it’s a good idea to burn refugee homes down (EXCUSE ME!?), or that it’s great to close the borders of some countries. 
There is so much going wrong here and the long German text above is my rant, that I needed to pour down in words. 
I grew up between a lot of ethnic German resettlers and while they may have been foreigners for my parents, they’ve never been to me. They were just kids. And hopefully in the next generation, all these refugees now coming to us will also be totally normal. I really hope so, that people start to recognize them AS PEOPLE. And that they find the humanity and solidarity again.
I’m not going to translate my whole rant, I just put it simple: #refugeeswelcome!

And there are two quotes I included, which are English, so I’m giving them to my international readers as well. 

At first, this wonderful but hurting poem by Warsan Shire:

you have to understand,
that no one puts their children in a boat
unless the water is safer than the land

And one by David Pell about the pictures of the dead Syrian boy. Because we finally have to face this reality! In all its range!!

…if your kid has to take a flimsy boat across dangerous seas to escape a war zone, then my kid can definitely handle looking at the photos.

If you want to read more of my rant please use Google Translate. And maybe I’ll be back soon with my regular posts, now that I poured it down all here…

Elena